3. Zeitliche Koordination


4. Ein lateinamerikanisches Spiel - Merengue


3. Zeitliche Koordination

Die Grundvoraussetzung, um gemeinsam mit einem Partner zu tanzen, ist die zeitliche Koordination der Bewegungsabläufe. Dabei hilft die Musik.

Die Musik teilt die Zeit in Abschnitte ein.
Durch betonte (laute) und weniger betonte (leise) „Schläge“, oder „Beats“, werden verbindlich „Zeitpunkte“ festgelegt zu denen, oder zwischen denen „irgendetwas“ geschehen soll. Was genau, ist vom Regelwerk des jeweiligen Tanzes abhängig.
Diese Schläge werden stets in gleicher Weise zusammengefasst.
Entweder in Zweiergruppen („betont/unbetont - betont/unbetont“, ähnlich dem Ticken einer Uhr „tick/tack – tick/tack …“), oder in Dreiergruppen (tick/tack/tack - tick/tack/tack …). Sowohl die Zweiergruppen (Zweivierteltakt) als auch die Dreiergruppen (Dreivierteltakt) können zu größeren Gruppen zusammengefasst werden (Viervierteltakt, Sechsachteltakt); die Grundstruktur bleibt aber erhalten.

Man kann sich das wie einen vorbeifahrenden Zug vorstellen, bei dem sich die Wagen in immer gleicher Weise abwechseln.
Entweder:

Speisewagen/Personenwagen  -   Speisewagen/Personenwagen
Speisewagen/Personenwagen/Personenwagen  -   Speisewagen/Personenwagen/Personenwagen

Der Zug - das Musikstück - kann mal schneller, mal langsamer vorbeifahren, aber hat man einmal das Prinzip erkannt, weiß man wie es weitergeht, und kann jederzeit auf den vorbeifahrenden Zug aufspringen.
In der „klassischen Tanzmusik“ sind diese Strukturen sehr deutlich zu hören, allerdings klingt sie daher auch ein wenig gleichförmig.
Da diese Strukturen für die zeitliche Koordination der Partner / der Partnerin jedoch grundlegend sind, müssen sie auch von beiden erkannt werden.


4. Ein Lateinamerikanisches Spiel - Merengue

Vor allem in den „offen getanzten“ lateinamerikanischen Tänzen, bei denen die Partner keinen gemeinsamen Tanzkörper formen, und sich sogar voneinander entfernen können, spielt die zeitlich/rhythmische Koordination der Partner eine grundlegende Rolle, und wird zum entscheidenden gestalterischen Element.


4.1 Zeitliche Koordination

Zunächst geht es um die Koordination der eigenen "Füße" mit denen des Partners, und die Frage "Wann" sollen sie auf dem Boden abgesetzt, wann das Gewicht von einem Bein auf das andere übertragen werden?
Am einfachsten lassen sich – wie beim Marschieren - gleichmäßige Schrittbewegungen koordinieren.
Man braucht lediglich einen gleichmäßigen Takt- oder Rhythmusschlag, und schon kann es losgehen. Aber es geht auch ohne.





Einleitung Merengue




Schon Ludwig der XV war ein begeisterter Anhänger der "Meringues", jener Süßspeise aus Eischnee und Zucker. Ob er danach "Merengue" tanzte, um die überflüssigen Pfunde wieder ab zu trainieren, ist unbekannt. Dennoch spricht viel dafür, dass diese, in der Schweiz erfundenen Baisers, als Namensgeber für den heute beliebtesten lateinamerikanischen Paartanz Pate gestanden haben. Wahrscheinlich wurden die Meringues von französischen Kolonialisten nach Haiti gebracht. Unklarer ist die Entwicklung der Musik und des Tanzes.
Als Volkstanz wurde er von den höheren Gesellschaftsschichten ignoriert. Man kann jedoch davon ausgehen, dass die Merengue schon im 19. Jahrhundert große Popularität unter der Landbevölkerung besaß. Heute kann er als Nationaltanz Haitis und der Dominikanische Republik bezeichnet werden. Um die Entstehung des Tanzes ranken sich die unterschiedlichsten Geschichten, wie z.B. die, dass ein berühmter Held sich in einer der vielen Revolutionen eine Beinverletzung zugezogen hatte. Beim Fest seiner Rückkehr tanzten nun alle Dorfbewohner ihm zu Ehren so, als hätten sie ein verletztes Bein. Eine andere Geschichte erzählt von den an einem Bein angeketteten Sklaven, die zum Rhythmus einer Trommel das Zuckerrohr schneiden mussten, eine andere von Piraten mit Klumpfüßen …. Ich selbst lernte die Merengue als "afrikanischen Hinketanz" kennen.
Die Dominikaner selbst sehen in ihm eine Verbindung zwischen afrikanischem Tanz und französischem Menuett. Menuett wurde demnach in den Häusern der Plantagenbesitzer getanzt. Die Sklaven sahen dies, und fingen an, ihre Herren zu imitieren. Die europäische Form des Tanzens war ihnen allerdings zu langweilig, und so begannen sie, Sprünge etc. hinzuzufügen. Diese "Original Merengue" war allerdings kein Paar- sondern ein Gruppentanz, dem das heute typischste Bewegungselement, das Schwingen der Hüften, gefehlt haben soll.
Der wahrscheinlichste Ursprung liegt wohl in einem Tanz aus Havanna namens "Urpa" oder "Upa Habanera", der 1840 nach Santo Domingo gelangte und einen als "Merengue" bezeichneten Satz beinhaltete. Heute ist die Merengue ein Paartanz im 2/4 Takt, bei dem auf jeden Taktschlag ein Schritt gesetzt wird. Damit hat er viel Ähnlichkeit mit dem in Europa und Amerika verbreiteten "Onestep". Das Grundmuster ist sehr einfach, und besteht aus zwei Schritten. Die Kunst liegt vor allem in der Bewegung der Hüfte, bei einem gleichzeitig, relativ ruhig gehaltenen Oberkörper. Die Ausgangsposition für die so genannte Ballsaal- Merengue ist der "Paso de la empalizada", ein Seitwärtsschritt, in dessen Anschluss sich man nach links oder rechts dreht. Bei dieser Form der Merengue bleibt das Paar die ganze Zeit in Tanzhaltung verbunden. Ein anderer Stil des Merengues ist der "Merengue de figura", der viele gewickelte Drehungen beinhaltet und die Partner sich lediglich an den Händen berühren. Heute werden beide Stile meist gemischt.


Auf einen Blick:
Art:      Paartanz (Gesellschaftstanz)
Musik:    2/4 Takt; Merengue, Lateinamerikanische Musik, Popmusik, Latin Rock
Tanzhaltung:   Geschlossene/offene Tanzhaltun
Geschwindigkeit:    ca. 60 bis 80 Takte pro Minute (120 bis 160 beats per minute)

Entstehungszeit ca. 1970er Jahre Gruppe Die Merengue gehört zur Gruppe der Lateinamerikanischen Tänze.

Übung:

Wir nutzen unsere Fähigkeit, rhythmisch zu sprechen, und simulieren einen 2/4tel Takt.

Dazu nehmen wir ein zweisilbiges Wort wie „Mei – ster“ (das entspricht jeweils 2 Zählzeiten), betonen die erste Silbe, und wiederholen es ständig (Mei-ster, Mei-ster, Mei-ster, …….).
Sprecht einmal ga__nz langsam, dann ganz schnell, dann in mittlerer Geschwindigkeit.

Auf die Silben „Mei“ und auf „ster“ soll jeweils ein Schritt gesetzt werden.

Probiert das, ohne Euch von groß von der Stelle zu bewegen (am Platz).
Damit wissen wir schon, wie sich die „Spielfiguren“ bei einem der in Lateinamerika beliebtesten Tänze, der Merengue, auf dem Spielfeld bewegen und zeitlich koordinieren sollen.

Spielregel: Die „Spielfigur“ darf nur regelmäßige/gleichmäßige Schritte am Platz machen. Stehen die Partner einander zugewandt gegenüber, benutzen sie die gegenüberliegenden Beine (Einer rechts, der Andere links), und wenn sie nicht schummeln, bleibt das so, bis der Tanz endet. 

Video | Meister | Video auf bebop's Game YOUTUBE


4.2 Wie bewegt man sich "lateinamerikanisch"

Um „Merengue“ zu tanzen, müssen wir jetzt noch wissen, wie die Bewegungen (laut Spielregeln der Merengue) ausgeführt werden sollen. Das kann man am besten auf dem Video sehen.
Allerdings ist das eher so etwas wie ein Vorschlag. Es gibt völlig unterschiedliche Vorstellungen davon, wie diese Bewegungen ausgeführt werden sollen, und damit völlig unterschiedliche Stile, Merengue zu tanzen.
Was schön und richtig ist, ist immer abhängig vom Zeitgeist, der Mode, und gesellschaftlichen Moralvorstellungen, die tagtäglich durch Werbung, Film und Fernsehen,oder „Social Media“ auf uns einwirken.
Die eigenen Vorstellungen werden geprägt durch „Vorbilder“, denen man nacheifert.
Das kann der beste Tänzer im Dorf sein, oder das neueste Video. Es gibt viele Möglichkeiten.
Langer Rede kurzer Sinn: wenn es nicht sofort so aussieht, wie auf dem Video, kann man trotzdem Spaß beim Tanzen haben. Sich auf eine bestimmte, ungewohnte Art und Weise zu bewegen, ist allein schon aufregend. Perfektion muss man üben, und mit der Zeit wird es gelingen.

ABER: die zeitliche Koordination ist unverzichtbar. Man darf keinen Schritt zu viel oder zu wenig machen, nicht schneller oder langsamer werden. Daraus folgt, dass man sich die ganze Zeit über zeitlich koordiniert bewegen muss!

Video | Hüfte | Video auf Bebop's Game YOUTUBE

4.3 Der Spielauftrag

Um mit dem gemeinsamen Spiel zu beginnen, braucht es noch einen Spielauftrag.

Spielauftrag: Die Partner fassen sich an den Händen.Der Führende dreht seinen Partner / seiner Partnerin mit Hilfe der Arme - und auch sich selbst. Mal mit Loslassen eines Armes, mal ohne.   
Was damit gemeint ist, lässt sich auch einfacher vormachen als beschreiben:

Video | Spielauftrag | Video auf Bebop's Game YOUTUBE


Der gemeinsame Tanz/das Spiel beginnt, wenn die Partner sich auf die in den Spielregeln festgelegte Art und Weise bewegen, und dabei den Spielauftrag erfüllen.
Doch bevor wir loslegen, führen wir eine weitere Regel für den geführten Partner ein.

Spielregel: Der geführte Partner ist dem führenden Partner zugewandt. Diese Position (Grundposition) verlässt er nur, wenn die Führungsimpulse des Partners dies einfordern. Wenn keine Führungsimpulse mehr erfolgen, kehrt er/sie von sich aus wieder in die Grundposition zurück

Aber Jetzt:

Video | alles zusammen | Video auf bebop's game YOUTUBE


Mit Musik könnte das Ganze so aussehen:


Einleitung Merengue




Schon Ludwig der XV war ein begeisterter Anhänger der "Meringues", jener Süßspeise aus Eischnee und Zucker. Ob er danach Merengue tanzte, um die überflüssigen Pfunde wieder ab zu trainieren ist unbekannt. Dennoch spricht viel dafür, dass diese in der Schweiz erfundenen Baisers als Namensgeber für den heute beliebtesten lateinamerikanischen Paartanz Pate gestanden haben.
Wahrscheinlich wurden die Meringues von französischen Kolonialisten nach Haiti gebracht. Unklarer ist die Entwicklung der Musik und des Tanzes. Als Volkstanz wurde er von den höheren Gesellschaftsschichten ignoriert. Man kann jedoch davon ausgehen, das der Merengue schon im 19 Jahrhundert große Popularität unter der Landbevölkerung besaß. Heute kann er als Nationaltanz Haitis und der Dominikanische Republik bezeichnet werden.
Um die Entstehung des Tanzes ranken sich die unterschiedlichsten Geschichten, wie z.B. die, dass ein berühmter Held sich in einer der vielen Revolutionen eine Beinverletzung zugezogen hatte. Beim Fest seiner Rückkehr tanzten nun alle Dorfbewohner ihm zu Ehren so, als hätten sie ein verletztes Bein. Eine andere Geschichte erzählt von den an einem Bein angeketteten Sklaven, die zum Rhythmus einer Trommel das Zuckerrohr schneiden mussten – wieder Andere, von den Piraten die mit ihren Klumpfüßen ...... . Ich selber lernte die Merengue als „afrikanischen Hinketanz“ kennen. Warum man den Merengue mit „Klumpfüßen“ in verbindung bringen muss, ist mir jedoch bis heute unklar.
Die Dominikaner selber sehen in ihm eine Verbindung zwischen afrikanischen Tanz und französischem Menuett. Menuett wurde demnach in den Häusern der Plantagenbesitzer getanzt. Die Sklaven sahen dies, und fingen an ihre Herren zu imitieren, aber die europäische Form des Tanzens war ihnen zu langweilig, und so begannen sie Sprünge etc. hinzu zu fügen. Diese „Original Merengue“ war allerdings kein Paar- sondern ein Gruppentanz, die dem das heute typischste Bewegungselement, das Schwingen der Hüften, gefehlt haben soll, da dieses primitiv sexuelle Schwingen zutiefst „unafrikanisch“ gewesen sei – und ist .... - und lediglich auf einer Erfindung Hollywoods beruht. Die wahrscheinlichste Herleitung ist jedoch, dass um 1840 ein Tanz aus Havanna namens „Urpa“ oder „Upa Habanera“ der einen einen als „Merengue“ bezeichneten Satz beinhaltete nach Santo Domingo gelangte.
Heute ist der Merengue ein Paartanz im 2/2tel Takt, bei dem auf jeden Taktschlag ein Schritt gesetzt wird. Damit hat er viel Ähnlichkeit mit dem in Europa und Amerika verbreiteten „Onestep“. Das Grundmuster ist sehr einfach, und besteht aus zwei Schritten. Die Kunst liegt vor allem in der Bewegung der Hüfte, bei gleichzeitig relativ ruhigem Oberkörper.
Die Ausgangsposition für die so genannte Ballsaal- Merengue ist der "Paso de la empalizada", ein Seitswärtsschritt , in dessen Anschluss sich man nach links oder rechts dreht. Bei dieser Form der Merengue bleibt das Paar die ganze Zeit in Tanzhaltung verbunden. Ein andere Stil des Merengues ist der "Merengue de figura" bei dem viele gewickelte Drehungen erfolgen, und die Partner sich lediglich an den Händen berühren. Heute werden beide Stile meist gemischt.

Video | Merengue mit Musik | Video auf bebop's game YOUTUBE
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