7 Grundschritte in den Lateinamerikanischen Tänzen


Die Grundschritte in den lateinamerikanischen Tänzen sind so etwas wie ein "Regelpaket", mit drei Schwerpunkten:


  • 1. Es ist festgelegt wann man wie viele Schritte setzen soll (zeitliche Koordination).
    2. Es ist festgelegt, wohin diese Schritte gesetzt werden sollen (räumliche Festlegung).
    3. Es ist festgelegt "Wie" die Tänzer sich bewegen sollen (Art der Bewegung).


Wenn unterschiedliche "Festlegungen" für denselben Tanz existieren, spricht man von bestimmten Stilen - z.B. Salsa "Cuban Style" oder Salsa "Los Angeles Style". Dass die räumlichen Bewegungen der Tänzer zum Teil stark voneinander abweichen, hat diverse Gründe. Der offensichtlichste: an verschiedenen Orten wurde zur selben Musik getanzt, aber es war aufgrund der räumlichen Distanz nicht möglich, voneinander abzugucken, bzw. es gab kein Interesse daran die Regeln zu vereinheitlichen – sie zu standardisieren - wie bei den" Standardtänzen".
Wenn der "Grundschritt" eines Tanzes unterschiedlich ausgeformt ist – sowohl hinsichtlich der räumlichen Ausrichtung, als auch hinsichtlich der Art und Weise der Bewegung - kann das kulturellen Unterschieden geschuldet sein, oder ganz praktische Gründe haben, wie die Beschaffenheit der "Tanzfläche" (auf Sand kann man sich nicht so bewegen wie auf Parkett), oder zu volle Tanzflächen, auf denen man Rücksicht auf andere Tänzer nehmen muss - was zu den sogenannten "slotted dances" führte, Tänzen, bei denen man sich nur wie in einem "Einschubschlitz" (slot – Einschubschlitz) hin und herbewegt.

Grundschritte "konturieren" ein Spiel, geben ihm eine klar umrissene, typische, wiedererkennbare äußere Form. Sie haben aber auch eine praktische Bedeutung für das Spiel. Durch sie wird festgelegt, wann sich die Partner wo befinden. Diese Information braucht der Führende, um seinen Spielauftrag zu erfüllen. Er soll in den Bewegungsablauf des Geführten eingreifen, und ihn "umlenken". Spielaufgabe des geführten Partners ist es, dies zu ermöglichen, indem er eine bestimmte Bewegungssequenz (den Grundschritt) kontinuierlich wiederholt, und nach jeder "Ab" oder "Umlenkung" wieder in diesen zurückfällt. Je genauer der führende Partner mit diesem Bewegungsablauf vertraut ist, je verlässlicher sich die Spielfigur des geführten Partners verhält, desto präziser und schneller wird das Spiel. Natürlich kann auch der Geführte mit dem Grundschritt spielen, den Partner überraschen, ihm etwas "Neues" anbieten ….. – aber, dass erst auf einem höheren Level.

Die Grundschritte sollten soweit verinnerlicht werden, dass es sich "natürlich" anfühlt sich so zu bewegen. Wie schnell dies gelingt, hängt – vor allem hinsichtlich des 3. Punktes, der Festlegung "Wie" sich die Tänzer während des Tanzes bewegen sollen - nicht nur von den individuellen Fähigkeiten ab. Gerade in den lateinamerikanischen Tänzen weichen die Art der Bewegung oft stark vom "allgemein üblichen" Bewegungsverhalten ab. Allgemein üblich in Deutschland, Österreich und der Schweiz 😉.

Nehmen wir als Beispiel das "mit dem Po wackeln". Ist man von Kindesbeinen an daran gewöhnt im Karneval zu den Klängen der Samba mit dem "Po" zu wackeln, fällt einem das "mit dem Po wackeln" leichter, als wenn man immer nur Mainz bleibt Mainz im Fernsehen gesehen hat, und dabei auf selbigem saß. Umgekehrt fällt es den meisten Brasilianern wahrscheinlich sehr schwer, sich den Karnevalszug in Rio anzusehen, und dabei einfach im Sessel sitzen zu bleiben. 😉

Es lässt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit ausschließen, dass es ein "Tanz-Gen" gibt, oder einen wie auch immer gearteten "Blutzusatzstoff", der einem das Tanzen erleichtert. Es gibt lediglich kulturbedingte Affinitäten zu bestimmten Bewegungsabläufen, und gewohnte und ungewohnte Bewegungen. Um zu tanzen muss man sich nicht gleich perfekt auf eine völlig ungewohnte Weise bewegen. Es reicht, wenn man sich langsam dieser neuen Art nähert, sich langsam an sie gewöhnt. Ebenso ist es mit der räumlichen Ausrichtung. Auch sie ist so etwas wie eine Verschärfung der Regeln.
Bevor man nach "verschärften" Regeln spielt, ist es sinnvoll mit einfacheren Regeln zu beginnen, ein bisschen zu improvisieren. Es reicht, wenn der geführte Partner sich immer wieder zum Führenden Partner hin ausrichtet.
Das sieht noch nicht so aus wie bei den "Profis", hat aber den Vorteil, dass man nicht auf alles gleichzeitig achten muss. Das Sinnvollste ist sich zunächst einmal auf die zeitliche Koordination zu konzentrieren, ohne die geht nämlich nichts.
Dann natürlich auf den Spielauftrag (z.B. das sich verknoten). Dabei kann auch schon mal versuchen sich "richtig", d.h. den Regeln des Tanzes entsprechend zu bewegen.
Sobald man sich daran gewöhnt hat den Spielauftrag zu erfüllen, ohne dass dies Einfluss auf die zeitliche Koordination hat, kann man die Regeln "verschärfen".